Prämien steigen weiter – auch weil das BAG Kostensenkungen nicht vorantreibt!

Krankenkassenprämien steigen im Schnitt um 4 Prozent

Die Prämien für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) steigen nächstes Jahr um durchschnittlich 4 Prozent. Ein wesentlicher Faktor spielt dabei das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das seinen Aufgaben nur bedingt nachkommt und Kostensenkungen nicht vorantreibt. Anstatt diese Probleme zu benennen, wird die Schuld einmal mehr der Alterung der Gesellschaft, dem medizinischen Fortschritt und der Mengenausweitung zugeschoben.
 
Einfache Erklärungen greifen jedoch zu kurz: Das Schweizer Gesundheitssystem leidet unter ökonomischen Fehlanreizen, Überversorgung, starkem Einfluss von Interessengruppen und mangelhaftem Qualitätsmanagement. All dies verursacht unnötig hohe Kosten ohne Zusatznutzen. Das BAG hätte es in der Hand, diesem Missstand entgegenzuwirken, in verschiedenen Bereichen kommt es jedoch seinen Aufgaben nur bedingt nach, wie die nachfolgenden Beispiele illustrieren. Darunter leiden in erster Linie die Patienten und die Prämienzahler. Die Stiftung für Konsumentenschutz fordert das BAG auf, seine Rolle aktiv wahrzunehmen, um eine bessere Versorgungsqualität und eine längst überfällige Entlastung der Prämienzahler zu ermöglichen.

Medikamentenpreise: Entgegen den Forderungen des Konsumentenschutzes prüft das BAG den Preis eines Medikaments nur alle drei Jahre. Laut dem Preisüberwacher würde eine jährliche Preisüberprüfung das BAG zwar einen einstelligen Millionenbetrag kosten, aber zugleich Einsparungen von mehreren Hundert Millionen Franken in der OKP ermöglichen.

Medizinische Hilfsmittel: Wenn medizinische Hilfsmittel über die Krankenkasse abgerechnet werden, werden bis zu achtfach höhere Preise als beim normalen Apothekenkauf verrechnet – seit Jahren. Auf Druck der Öffentlichkeit hat das BAG reagiert und versprochen, die Tarife anzupassen. Santésuisse vermutet ein Sparpotenzial von 100 Millionen Franken, das BAG will lediglich «mehrere Millionen Franken» einsparen.

Arztrechnungen: Entgegen der gesetzlichen Vorgabe sind TARMED-Rechnungen seit ihrer Einführung für Laien unverständlich, was eine Prüfung durch die Patienten verunmöglicht. Zudem missachten viele Leistungserbringer ihre Pflicht, Rechnungskopien an Patienten zu senden, was die Rechnungskontrolle ebenfalls verhindert. Bei den Krankenkassen findet keine systematische Kontrolle statt, Hinweise auf Unstimmigkeiten werden oft ignoriert. Es fehlen wirksamen Massnahmen, um diesen Missstand zu beheben.

Überversorgung: Schätzungen zufolge sind 20 bis 30 Prozent aller in der Schweiz durchgeführten medizinischen Massnahmen eigentlich unnötig. Die Schuld dafür den Patienten zuzuschieben, greift jedoch zu kurz. Für jede unnötige Massnahme braucht es auch einen Arzt, der die Behandlung durchführt oder verschreibt, anstatt davon abzuraten. Auch hier wäre das BAG gefordert: Um Überversorgung zu vermeiden, müssen insbesondere im ambulanten Bereich Qualitätsdaten erhoben und ausgewertet werden und finanzielle Fehlanreize verhindert werden.
 
Die Stiftung für Konsumentenschutz unterstützt Konsumenten beim Krankenkassenwechsel: Beratung sowie kostenlose Merkblätter und Musterbriefe erleichtern den Wechsel von Grund- und Zusatzversicherung und erklären, was im Umgang mit Versicherungsmaklern beachtet werden sollte. Weitere Informationen unter: www.konsumentenschutz.ch/krankenkasse-wechseln

 

Bundeshaus_Bern_2009,_Flooffy

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