Immer auf der Höhe der Zeit: 100 Jahre Schweizerischer Bankpersonalverband!

Bittere Not und eine galoppierende Inflation haben vor 100 Jahren aus den einst so stolzen Bankbeamten in der Schweiz ein «Stehkragenproletariat» gemacht. Die Verelendung führte am 7. April 1918 zur Gründung des Schweizerischen Bankpersonalverbandes mit Sitz in Zürich. Bis heute bleibt der Verband dem Schutz der Bankangestellten verpflichtet. Er setzt sich für Arbeitsplatzsicherheit, Gesundheitsschutz, Weiterbildung und Gleichstellung ein.

Die Unzufriedenheit der Bankangestellten, die man heute als «Working Poor» bezeichnen würde, gipfelte im Zürcher Bankenstreik vom 30. September und 1. Oktober 1918 – ein einschneidendes Ereignis noch vor dem landesweiten Generalstreik. Der Bankenstreik war erfolgreich und legte den Boden für die seither gelebte Sozialpartnerschaft in der Bankbranche. Daraus erwuchs bereits 1920 ein Gesamtarbeitsvertrag.

Lohnerhöhungen, Reduktion der Arbeitszeit, Einführung des 13. Monatslohnes und ein Branchenmindestlohn von CHF 56‘000 pro Jahr sind nur einige wichtige Meilensteine welche der Schweizerische Bankpersonalverband seither erreicht hat. Und heute?

Warum es den SBPV auch heute noch braucht

«Das Banking hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert, das angelsächsisch geprägte Investmentbanking und das Shareholder-Value-Denken hat eine starke Kulturveränderung gebracht mit horrenden Erwartungen an Eigenkapitalrenditen und teilweise unhaltbaren Bonussystemen», sagte Peter-René Wyder, Präsident des SBPV an der Medieninformation in Zürich.

Die Bankenkrise ab 2007 führte zu einer verschärften Regulierung und parallel dazu zur Einführung der Weissgeldstrategie, mithin zu einer weitgehenden Neuausrichtung des Bankensektors verbunden mit Restrukturierungen und Stellenabbau. Im Jahr 2007 gab es in der Schweiz  331 Banken, im Jahr 2018 waren es noch 261. Besonders arg gebeutelt ist in letzter Zeit der Finanzplatz Tessin. Hier hat der SBPV seit zwei Jahren mit Natalia Ferrara eine eigene Regionalverantwortliche. «Die zunehmende Regulierung, der Wegfall des Bankgeheimnisses, der automatische Informationsaustausch, die Konzentration des Systems, die Digitatlisierung, die globalen Herausforderungen und gleichzeitig kaum Zugang zum nächstliegenden Markt Italien. All dies hat zu einem Druck auf den Finanzsektor und seinen Angestellten geführt, wie er in dieser Form nur im Tessin möglich ist», sagte Natalia Ferrara vor den Medien in Zürich.

Sozialpartnerschaft auf dem Prüfstand

Die Sozialpartnerschaft im Finanzsektor wird 100-jährig und sie hat etliche Höhen und Tiefen erlebt, im Allgemeinen dann, wenn soziale Umwälzungen und Krisen herrschten. Wir befinden uns im Moment wieder in einer solchen Phase. Die Angestellten im Finanzsektor brauchen neue Schutzmassnahmen. Solche, die vor allem die Arbeitsplatzsicherheit für ältere Mitarbeitende betreffen und auch den Gesundheitsschutz beinhalten, und es braucht auch neue Regelungen in Bezug auf Weiterbildung. Handlungsgsbedarf sieht Denise Chervet, Geschäftsführerin SBPV, vor allem in diesen Bereichen:

  • Löhne und Boni: Die mangelnde Transparenz von Löhnen und Boni macht es schwierig, individuelle Lohnverhandlungen zu führen, wie es in Banken üblich ist. Dank unseren Lohnumfragen, die wir alle zwei Jahre durchführen, haben die Angestellten wenigstens ein Argumentarium in Händen, um zu verhandeln.
  • Digitalisierung: Die Digitalisierung wird die Arbeitsbedingungen grundlegend verändern. Die neuen Herausforderungen sind riesig und die Unsicherheit ist gross.  Eines aber ist klar:  Weiterbildung wird für die Arbeitnehmenden extrem wichtig, in der Arbeitswelt 4.0 wird sie sogar von zentraler Bedeutung sein. Auch dafür setzt sich der SBPV in den sozialpartnerschaftlichen Verhandlungen ein.
  • Gleichstellung von Frau und Mann: Diesem Grundsatz haben wir uns in unseren Statuten verpflichtet. Wir müssen aber feststellen, dass die Gesellschaft und insbesondere der Finanzsektor sich mit der Gleichstellung schwer tun. Wir konzentrieren uns deshalb darauf, die Gleichstellung individuell durchzusetzen, indem wir entsprechende Informationen aufbereiten und vermitteln, insbesondere unsere Erkenntnisse aus den Lohnumfragen.

«Trotz seines hohen Alters ist der Schweizerische Bankpersonalverband also immer noch in Bewegung», resümiert Denise Chervet ihre Ausführungen, «dazu gehört auch, dass wir das Zentralsekretariat von Bern nach Zürich verlegen, um näher am Puls des Schweizer Finanzplatzes zu sein».

Geschichte und Geschichten: Die Jubiläums-Chronik

Für das 100-Jahr-Jubiläum hat der Schweizerische Bankpersonalverband vom ehemaligen Bankangestellten und Journalisten Caspar Heer eine Chronik der letzten 50 Jahre verfassen lassen, welche die bestehende Chronik der Jahre 1918 bis 1968 ergänzt. Unter dem Titel «Geschichte und Geschichten» hat der Autor 10 Kapitel verfasst, die allesamt am roten Faden der Sozialpartnerschaft aufgereiht sind. «Sozialpartnerschaft ist nichts für Ungeduldige. Es ist das meist unspektakuläre, zähe Ringen darum, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und laufend an die Entwicklung von Technik und Gesellschaft anzupassen», fasste Caspar Heer die Präsentation seiner Arbeit zusammen.

Jubiläumsaktivitäten

Mit einem neuen Logo, einem Jubiläums-Webauftritt, einer Jubiläums-Delegiertenversammlung und mit einem eigenen Mobil wird der SBPV sein 100-jähriges Bestehen feiern. Auf dem «Giro 2018» werden ab Mai bestehende und neue Mitglieder an ca. 20 Bankstandorten in der ganzen Schweiz besucht und auf die Vorteile einer Mitgliedschaft aufmerksam gemacht.

 

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